Humboldt-Universität zu Berlin - Theorie der Politik

Forschungsprojekte

Vincent August

 

Kulturen des Zusammenhalts: Neue Praktiken des Gemeinwohls (2020-)


Die westlichen Demokratien sind gespaltene Gesellschaften. Diese Diagnose ist allgegenwärtig. Dabei scheint es viele Gräben zu geben: zwischen arm und reich, Ost und West, Modernisierungsgewinner und -verlierer, Kommunitaristen und Kosmopoliten. Als Reaktion auf dieses Problem blüht aktuell eine alte Idee wieder auf, die nicht zuletzt in der Soziologie oft als längst überholt galt: die des Gemeinwesens. Immer mehr Konzepte tauchen auf, die neue Praktiken zur Herstellung von Allgemeinheit und Zusammenhalt vorschlagen, so zum Beispiel Modelle der ›Gemeinwohl-Ökonomie‹, ›Public Value Governance‹ und die ›Commons‹-Idee.

Das Forschungsprojekt nimmt diese neuen Praktiken des Gemeinwohls historisch und systematisch in den Blick. Es analysiert die unterschiedlichen Modelle des Allgemeinen (1), vergleicht ihre gesellschaftlichen Ordnungsvorstellungen und Praktiken (2) und ordnet sie kritisch ein (3). Dafür werden zwei Bezugspunkte herangezogen: einerseits die unmittelbaren Herausforderungen spätmoderner Gesellschaften, die sich in den Krisendiskursen abzeichnen; und andererseits die historischen Traditionen von Gemeinwohlpraktiken, wie sie in der politischen Ideengeschichte abgelagert sind.

Auf diese Weise untersucht das Projekt die Entstehung einer neuen Kultur des Allgemeinen und evaluiert sie vor dem Hintergrund möglicher normativer Ressourcen und vorhandener sozialer Probleme. Das Ziel ist, eine Systematik der Praktiken sozialer Kohäsion zu erarbeiten und die gegenwärtigen Zerfallsphänomene und Zusammenhaltsbemühungen vor diesem Hintergrund zu beurteilen.

 

Erste Zwischenergebnisse:

 

 

Technologisches Regieren
Die kybernetische Transformation von Politik und Gesellschaft (2014-)



Wir leben in einer Welt, in der alles vernetzt ist. Auch Politik und Gesellschaft werden immer mehr in den Begrifflichkeiten des Netzwerks beschrieben. Mein Dissertationsprojekt geht diesem neuen Paradigma auf den Grund: Woher kommt das Netzwerk-Denken? Welche Merkmale hat es? Und welche Macht-Effekte produziert es?


Ich zeige, dass die Kybernetik Wahrnehmungs- und Denkmuster zur Verfügung stellte, mit denen Politik und Gesellschaft umgeformt werden konnten, nachdem die klassischen Konzeptionen in den Staats- und Modernekrisen zusammenbrachen. Dafür untersuche ich insbesondere Foucault und Luhmann, Gouvernementalitäts- und Governance-Theorien als Fälle technologischen Regierungsdenkens.


Dissertation (summa cum laude):

Technologisches Regieren. Der Aufstieg des Netzwerk-Denkens in der Krise der Moderne. Foucault, Luhmann und die Kybernetik

Gutachten:  Prof. Dr. Herfried Münkler, Prof. Dr. Hartmut Rosa, Prof. Dr. Silvia von Steinsdorff
Einreichung 11/2018, Disputation 09/2019

 

Aufsätze

 

Vorträge über

  • Digitalisierung und Demokratie (u.a. bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Center for Advanced Internet Studies)

  • The Rise of Network Ideas: from Cybernetics to Network Governance (zum Nachhören).

  • Die große Transformation: Technologische und neoliberale Staatskritik

  • Kybernetik und die Krise der Moderne. Zur Genese eines technologischen Regierungs­denkens

 

 

Theorie und Praxis der Transparenz (2012-2019)



Transparenz ist in den letzten Jahren zu einer Allzweckwaffe geworden: Sie gilt als Lösung für fast jedes politisches Problem und kaum eine Organisation kommt darum herum, sich auf Transparenz zu verpflichten. Seit 2012 gehe ich diesem Transparenz-Imperativ nach. Das Projekt begann mit einer Studie zur Entstehung der politischen Transparenz-Idee, die ich dann in Fallstudien bis in unsere Gegenwart nachverfolgt habe. Daneben vergleiche ich die normativen Ansätze und die empirischen Forschungen zur Transparenz und führe sie zusammen. Dabei begleite und berate ich auch Forschungsprojekte zum Thema.

 

Auf diese Weise entwickele ich derzeit eine Theorie der Transparenz. Sie legt systematisch die politische Rationalität der Transparenz frei, die das Soziale nach einem bestimmten Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmuster ordnet; sie zeigt historisch die Einsatzpunkte für gesellschaftliche Transparenzforderungen und evaluiert die Leistungen und nichtintendierten Effekte von Transparenzpraktiken.

 

Ausgewählte Publikationen zu dem Projekt:


Postanschrift

 

Sitz

Humboldt-Universität zu Berlin
Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
10099 Berlin

 

 

Institut für Sozialwissenschaften
Universitätsstraße 3b
10117 Berlin

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