Humboldt-Universität zu Berlin - Theorie der Politik

Promotionsprojekte

Daniel Staemmler - Die Gestaltung digitaler Demokratie: Über den produktiven Protest des Datenaktivismus

Das Projekt untersucht die zivilgesellschaftliche Produktion digitaler Plattformen, Anwendungen und Datenbestände für demokratische Verfahren als eine zeitgenössische Form von Protest. Diese Variante des digitalen Aktivismus forciert sozialen Wandel, indem alternative Formen digital unterstützter demokratischer Verfahren, etwa der politischen Entscheidungsfindung, der Bürgerbeteiligung oder des Verwaltungshandelns, bereits im Hier und Jetzt erprobt werden. Die qualitative Untersuchung widmet sich der Wissensordnung des Datenaktivismus im deutschsprachigen Raum und erarbeitet eine gegenstandsbezogene Theorie jener Vorstellungen technopolitischer Ordnung und Regierungsweisen, die in die Gestaltung dieser demokratischen Innovationen einfließen. Das Projekt zielt damit auf eine Erweiterung der politiktheoretischen Debatte zu den Möglichkeiten digitaler Demokratie um eine Perspektive, die die Möglichkeiten der produktiven Technikgestaltung für politische Verfahren miteinbezieht.

Danniel Gobbi - Politische Imaginäre der identitären Rechten

Der Aufstieg mehrerer identitärer rechter Parteien und Bewegungen rund um den Globus hat eine lebhafte Debatte darüber ausgelöst, wie sich diese Bewegungen, ihre Proteste und Mobilisierungen auf die Politik und die demokratische Ordnung auswirken. Hauptziel meiner Forschung ist es zu erarbeiten, wie sich diese Bewegungen und Gruppen Demokratie vorstellen und wie sie diese umgestalten. Basierend auf einer induktiven Perspektive, mit einem Grounded Theory Ansatz, wird mein Forschungsprojekt auf der Grundlage empirischer Arbeiten erfolgen, die ethnographische Beobachtung, Tiefeninterviews und Fokusgruppen mit Leitern und Unterstützern dieser Bewegungen kombinieren. Ihr Verständnis von politischer Herrschaft, die Art und Weise, wie sie „Wahrheit" authentifizieren, und eine Erarbeitung dessen, was ihre Unterstützer anspricht, sind die wichtigsten Dimensionen meiner Analyse darüber, wie diese Bewegungen die demokratische Ordnung konzipieren und beeinflussen.

Gülser Güner - Verschmelzung und Harmonie oder Kontroverse und Liquidation?

Die Dissertation untersucht die politischen Verhältnisse zwischen Marx/Engels und der Führung der deutschen Arbeiterbewegung mit besonderem Schwerpunkt auf die Jahre zwischen 1847 und 1852. Sie stellt dabei die von Marx und Engels gestellte These der „Verschmelzung“ zwischen dem „wissenschaftlichen“ Kommunismus und der deutschen Arbeiterbewegung grundsätzlich in Frage und will zeigen, dass es zwischen Marx/Engels und der Führung der Arbeiterbewegung von Anfang an unversöhnliche ideologische und politische Kontroversen gab. Die Unterstützung der Bourgeoisie seitens Marx und Engels bewertet die Arbeit dabei als den ausschlaggebenden Grund für den Konflikt zwischen beiden Parteien. Bei der Untersuchung werden insbesondere Bücher, Zeitungen, darunter der Kölner Arbeiterverein und die von Weitling herausgegebene Zeitung Republik der Arbeiter, Zeitschriften, Schriften, unter anderem von Marx/Engels, die im ausgewählten Zeitraum (1847-1852) geschrieben wurden, als Quelle der Textanalyse genommen.

Johanna Hase - Continuity and Change of Citizenship Narratives in Times of Global Migration

Politische Gemeinschaften konstruieren sich durch Bürgerschaftserzählungen, die ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einen Sinn verleihen und gleichzeitig das „Selbst“ vom „Anderen“ unterscheiden. Ausgehend von dieser Prämisse untersucht die Dissertation, wie sich Geschichte, Plot, Discours und Narration von Bürgerschaftserzählungen in einem Kontext von Mobilität verändern, wie Migrant*innen (nicht) Teil supranationaler, nationaler und lokaler Erzählungen des politischen „Wir“ werden, und argumentiert, dass die zentrale Frage in Zeiten globaler Migration nicht lautet „Wer sind wir?“, sondern „Wie wollen wir uns erzählen?“

Johannes Haaf - Die Position der Menschenrechte in der transnationalen Konstellation

Das Promotionsprojekt rekonstruiert und analysiert das politische Vermögen der Menschenrechte, um auf diese Weise eine weithin geteilte Voraussetzung der (Internationalen) Politischen Theorie zu befragen. Menschenrechte, so die Annahme, stellen ein hervorgehobenes Mittel bereit, um Prozesse der Selbstermächtigung, Verselbstständigung und Exklusion zu korrigieren, die als charakteristisch für die Verhältnisse der transnationalen Konstellation gelten können. Zugleich sind Menschenrechte aber Gegenstand umfangreicher Verrechtlichungsprozesse jenseits des Staates, die dieses Vermögen relativieren: Menschenrechte berechtigen zusehends, ohne deshalb politisch zu befähigen. Das Projekt verbindet entlang dieses Zusammenhangs demokratie- und rechtstheoretische Perspektiven mit Blick auf die Frage, inwiefern Menschenrechte in der transnationalen Konstellation noch ein wirksames Mittel der Politisierung und Demokratisierung bereitstellen.

Judith Möllhoff - Zur Ausweitung von Rechtssubjektivität – Wie werden Nichtmenschen vom Recht erfasst?

Das Dissertationsprojekt problematisiert diverse Formen der Ausweitung von Rechtsträgerschaft bzw. rechtlicher Subjektivität. Ausgehend von Tendenzen der verfassungsrechtlichen Anerkennung von nichtmenschlichen Entitäten im Recht in neuerer Zeit werden die Formen, Grenzen und Möglichkeiten untersucht, die die Erfassung solcher Entitäten durch das Recht bedeuten könnten. Dafür spielen Fragen nach den Erkenntnisformen des Rechts und ihren strukturellen Bedingungen eine zentrale Rolle, ebenso wie Fragen nach den lokalen und historischen Partikularitäten dieser Erkenntnis-, Macht- und Politikformen.

Konrad Bleyer-Simon - Ausländische Finanzierung der unabhängigen Medien in den Hybridregimen Ost- und Mitteleuropas

Die Forschung von Krisztian Simon untersucht die Rolle der ausländischen Unterstützung für unabhängige Medien in zwei hybriden Regimen: Ungarn und Russland. Zwei Länder, in denen die Regierung gegenüber der Zivilgesellschaft und unabhängigen Medien feindlich gesinnt ist, und deshalb auch versucht die Arbeit der (überwiegend) ausländischen Unterstützer zu diskreditieren. Durch Interviews mit Journalisten und Redakteuren in den zwei genannten Ländern versucht er zu verstehen, welche Arten von ausländischer Förderung es in diesen Ländern gibt und wie Medien davon profitieren. Ein Ziel der Arbeit ist es, die Faktoren zu identifizieren, die bestimmen, ob ein Medium das Risiko der ausländischen Finanzierung eingehen will oder nicht. Dabei bringt seine Dissertation die politikwissenschaftliche Literatur zu hybriden Regimen sowie Forschungen zum Thema Media Capture und zur politischen Ökonomie der Medien zusammen und kontrastiert es mit empirischen Erkenntnissen vor Ort.

Laura Gorriahn - Precarious Membership and the Limits of Democracy: Protest beyond Citizenship

The PhD project scrutinizes precarious democratic membership as manifestation of the controversial relationship between democratic sovereignty and exclusion on the one hand and universal equality and fundamental freedoms on the other. Arguably, the denial of civil and political rights for large numbers of residents is in deep tension with the self-understanding of democratic constitutional states as spaces of equal freedom and brings a conceptual contradiction to bear. The study combines perspectives from democratic theory and critical migration studies and looks at protest of non-citizens and their supporters against deportations. Precisely because these political struggles foreground the conceptual contradictions internal to the project of democracy, they provide for a crucial epistemic avenue into the study of membership and exclusion. The project reflects upon the implications of these struggles for a critical understanding of democratic membership with the objective to further discussions about the limits and possibilities of citizenship as the material and conceptual horizon of democracy today.

Ole Meinefeld - Die Personalisierung der Republik. Untersuchungen zu Hannah Arendts politischer Theorie

Die Dissertation untersucht den systematischen Zusammenhang von Hannah Arendts Handlungstheorie und den Beschreibungen von historischen und zeitgenössischen Persönlichkeiten, wie bspw. John F. Kennedy, Rosa Luxemburg oder Benjamin Disraeli, die in Arendts Werk episodisch vorkommen. Diese exemplarischen Lebensgeschichten von Politikerinnen und Politikern erweisen sich in der Untersuchung als aufschlussreich, um erstens den Stellenwert von Personen für Arendts politische Theorie genauer zu fassen und um zweitens zu beschreiben, welchen Stellenwert Personalisierung von Politik für pluralistische Institutionen moderner Gesellschaften hat.

Sebastian Berg - Genealogie und Gegenwart politischer Datafizierung im Kontext demokratischer Repräsentation

Unter der Prämisse, dass Demokratie als grundlegend vermitteltes Projekt zu verstehen ist, dessen Verfahren und Institutionen den Demos als politisches Subjekt überhaupt erst hervorbringen, gerät eine komplexe „Ökonomie der Repräsentation“ (Rosanvallon) in den Blick. Das Promotionsprojekt untersucht nun anhand von datenbasierten Verfahren der Verfügbarmachung des Demos, wie sich diese Ökonomie in der digitalen Konstellation verändert. Dazu wird nicht nur auf Konzepte und Genealogie von vermessenden und verdatenden Verfahren politischer Repräsentation eingegangen. Auch wird konstatiert, dass sich in der digitalen Konstellation sowohl der technologische Charakter, ökonomische Modus wie auch die politische Rationalität dieser Verfügbarmachung verändert und Prozesse politischer Vermittlung prägt. Die daraus erwachsenden Implikationen für das demokratische Projekt werden anhand der Plattformisierung politischer Intermediation rekonstruiert und kritisch diskutiert


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